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Kategorie: Archiv
Leonhard Schilling und seine Zuhörer vor dem Kamin

„Ich bin überwältigt, denn ich habe nicht gedacht, dass beim ersten heimatgeschichtlichen Kaminabend so viele kommen würden. Ich freu mich!“ Werner Janning, Vorsitzender des Heimatvereins Wettringen, hieß die Gäste im Kaminraum des Heimathauses, der bis auf den letzten Platz besetzt war, herzlich willkommen. Statt der erwarteten „vielleicht fünf“ wares es fündunzwanzig, darunter auch Vertreter der jüngeren Generation, auf die der Heimatverein ja seine Hoffnung setzt. Ein besonderer Gruß galt Leonhard Schilling, „eines der ersten Kinder der Neusiedler in der Brechte“, der für diesen Abend zum Thema „Brechte“ berichtete. Er zeigte sich sehr versiert. Allerdings wurde aus dem vorgesehenen Vortrag schnell eine lebhafte Gesprächsrunde, da er Zwischenfragen direkt zuließ und so mancher Zuhörer aus der Brechte kam und aus seinen Erinnerungen erzählte.. Da ging es vom „Streit um die Lehmkuhlen“ auf Ochtruper Gebiet - „Die brauchten den Lehm für ihre Töpfereien.“ - schnell zum Gut Harskamp, einem „Bilderbuchfachwerkhof“ der Familie Jordaan, für den man allerdings billiges Nadelbaumholz verwendet, das dann Grund für den Abriss wurde, da marode. Erinnert wurde an den Schnippenpol als „beliebte Badeanstalt“ der Brechter und auch Rothenberger Kinder. Schilling: „Man durfte nicht lange in dem Wasser stehen bleiben, dann hatte man Blutegel an den Beinen. Die kamen massenhaft vor.“ Nicht ausgelassen wurde die Landschule Rothenberge II, die für die Kinder aus „Hinterrothenberge“ und aus der Brechte errichtet wurde. Vorgesehen war berits, die Kinder aus Hinterrothenberge wegen des weiten Weges nach Wettringen in Welbergen einschulen zu lassen. Für viele war es neu, dass die Kinder der Neusiedler in der Brechte in Bilk nicht beliebt waren.Es kam zu Streiterein. „Wir haben uns manchmal, was damals eine Sünde war, vor dem Kirchgang gedrückt.“, sagte Schilling. Die Neusiedler, ob evangelisch oder katholische, hätten jedoch sofort guten Kontakt zueinander gefunden. Interessant auch die Bedingungen für die Bewerbung um eine Siedlerstelle, ganz der Zeit der Gründung der Brechte, der Zeit der Nationalsozialisten entsprechend. Die Bewerber hatten u.a. die arische Abstammung bis 1800 nachzuweisen, sie mussten verheiratet sein oder bald zu heiraten beabsichtigen und nachweisen, dass sie in der Lage waren, einen Hof zu führen. Werner Janning dankte Leonhard Schillig für seine interessanten Ausführungen. Es zeigte sich zum Abschluss, dass man sich eine Fortsetzung des „heimatkundlichen Kaminabends“ wünscht. Viele Themen wurden vorgeschlagen.