Als es noch keine Grundbücher bei den Katasterämtern mit genau vermessenen Grundstücksgrenzen gab, da ließ sich schon mal ein Grenzstein heimlich versetzen. Damit das nicht unbemerkt blieb, erfolgten in früheren Jahrhunderten die Snadgänge, Gänge, zu denen sich die Bürger und Bauern trafen, um die Grenzsteine abzugehen und auf ihren richtigen Standort zu prüfen. So groß waren die Grenzsteine ja nicht immer, dass ein Versetzen zu schwer gefallen wäre. Das Problem gab es nicht nur bei den kleinen Leuten, Grenzprobleme bestanden auch zwischen „Herrschaften“ wie den Grafen zu Bentheim – sie wurden später Fürsten – und dem Fürstbischof von Münster.

Etwa Mitte des 18. Jahrhundert kam es dann zu Land- bzw. Grenzvermessungen und es wurden, um die Sache auf Jahrhunderte zu klären, riesige Grenzssteine gesetzt. Elf Grenzsteine sechs Fuß lang und einem Quadratfuß im Durchmesser. Hinzu kamen sieben etwas kleinere Läufersteine, die zwischen einigen sehr weit voneinander entfernten Haupt-Grenzsteinen platziert wurden. Zu einem solchen Snadgang in historischer Erinnerung trafen sich am Samstag Mitglieder der Heimatvereine Wetttringen und Ohne auf dem grenznahen Hof von Achim Dauwe. Pieksauber das Gelände. „Hier kas van de Grund iäeten“, meinten einige. Herzlich war der Empfang durch den Hof- und Hausherrn Achim Dauwe und Brigitte Brünen.

In den Räumen des alten Bauernhauses, die im Großen und Ganzen im Urzustand erhalten waren, war die Kaffeetafel gedeckt. Nach einem „Schluck“ Roten oder Weißen nach dem Eintreffen auf dem Hof ging es in diese Räumlichkeiten. Fenna Kunze, die auf diesem Hof geboren worden war, strahlte und verwies auf die Sehenswürdigkeiten, besonders die uralten Delfter Kacheln des Herdfeuers.  „Wat glaiw ih, wu faken ick es jung Wicht in düsse Küek al up de Knai liägen häff, üm de Ecken to putzen.“ Bernd Dircksen, der sich sehr mit der Geschichte der Grenzsteine befasst hat und befasst, ging kurz auf die Grenzverhältnisse in vergangenen Jahrhunderten ein. Nach dem Kaffeetrinken fuhren die Heimatfreunde zum benachbarten Milchviehhof Ruschulte, wo der erste große Grenzstein gut erhalten stand. Von ihm aus führte der Weg weiter zu anderen Grenzsteinen, die man nach und nach mehr entdeckt.

Sie finden sich manchmal unter gewaltigem Brombeergestrüpp und  werden freigelegt. Unterwegs informierte zur Geschichte der Wolder Mark und der Brechte sowie zu den  Eigentumsverhältisse ein ausgezeichneter Sachkenner: Leonard Schilling. Für ihn gab es große Anerkennung. Im Bereich des Adolphhofes trennten sich die Heimatfreunde. Für die Wettringer ging es über das „Johannespättken“ zurück.