Hoch auf dem gelben Wagen, sitz ich auf den Garben vorn. Lasse die Rosse antraben, in die Scheune muss ja das Korn. In den 50er Jahren konnte man durchaus so singen, wenn man dazu kam, denn die Getreidewagen waren so hoch beladen, dass man schon Acht geben musste, dass einem die dicken Äste der Eichen am Wegesrand nicht herabbeförderten. Flach hinlegen, hieß es dann, man kam gerade drunterher. Und die Wege waren oftmals nicht ausgebaut, so dass es durch Vertiefungen in den Wagenspuren zu ganz schönen Schwankungen kam. Zu dieser Zeit war es schon ein Fortschritt, mit einer von Pferden gezogenen Mähmaschine das Getreide zu schneiden. Diese Mähmaschine konnte sowohl zum Mähen von Gras als auch von Getreide eingesetzt werden. Für letzteres musste sie umgebaut werden. Es kam ein zweiter Sitz hinzu für den Handableger hinzu, hinter dem Messerbalken brachte man eine Art Gatter an, dass mittels Fußhebels aufgerichtet werden oder nach hinten weggelegt werden konnte, um die angesammelten Getreidehalme herunterzubefördern. Männersache! Frauen, meistens, mit riesigen weißen Schutzhüten banden aus Stroh die so genannten „Stricke“ und mit diesen die Getreidehalme zu einer Garbe. Das ging, weil das Getreide noch nicht so „kurzgetrimmt“ war wie heute. Verknotet wurde dieser Strick gekonnt. Dieses Garbenbinden konnte teuflisch werden, wenn im Getreide viele Disteln waren.  Die Garben wurden dann zu Stiegen aufgestellt, eine Stiege umfasste im hiesigen Bereich 20 Garben. Jeweils sechs wurden einander gegenüber aufgestellt, so dass zwischen ihnen ein Hohlraum blieb, durch den die Luft ziehen konnte. Dann kamen auf die Lücken seitlich nochmals auf jeder Seite drei Garben. So konnte das Getreide trocknen und nachreifen. Eingefahren wurde es dann mit Ackerwagen, die eigens für die Getreideernte zu Rengstenwagen umgebaut wurden. Die Ladefläche wurde mittels eines aufgelegen Rahmens vergrößert, so dass man viele Garben auf eine Ebene legen konnte. Bevor die Heimfahrt begann, wurde alles mit einem Wiersbaum befestigt. Das war ein geschälter Fichtenstamm, an dem vorne eine Kerbe war, die verhinderte, dass das hier angebrachte Seil abrutschen konnte. Hinten wurde ein weiteres Seil über den Wiersbaum geworden und per Flaschenzug festgezurrt. Man durfte nicht übertreiben, wenn der Wiersbaum gebrochen wäre, hätte es ein großes Unglück gegeben. Diesen Mähmaschinen folgte der Garbenbinder, mit dem vor wenigen Tagen der Oldtimertraktorenclub die Getreideernte demonstrierte. Es musste früher von 2 – 3 Pferden gezogen werden. Der Oldtimertraktorenclub „spannte“ alte Traktorenschätzchen davor. Bei den ersten Mäh- bzw. Selbstbindern sorgte noch ein Handableger für die richtige Halmmenge. Diese wurden dann vom Binder mit einem „Strohband“ gebunden, eine Auswurfvorrichtung warf die Garben vom Binder weg. Sie konnten dann von den Erntehelfern zu Stiegen aufgestellt werden. Diese Arbeit war in diesem Jahr eigentlich überflüssig, denn das Getreide war mehr als trocken. Und die Körner kleiner. „Wir ernten eine Tonne pro Hektar weniger“, sagte kürzlich ein Landwirt. Im Herbst wird der Oldtimertraktorenclub dann wieder zu einer Dreschaktion einladen. Gedroschen wird natürlich mit einer historischen Dreschmaschine.