Der Heimatverein fuhr ins Frankenland und leistete dabei Kontaktpflege beim Ortsnamensvetter

 „Ich komme gleich noch kurz bei dir vorbei,“ hatte Bürgermeister Berthold Bültgerds erklärt, als er sich Mitte letzter Woche wegen einer Dienstangelegenheit telefonisch bei Wolfgang Brüning meldete. Der nie um eine Antwort verlegene Gärtnermeister antwortete kurz und knapp: „Das passt! Ich bin in Wettringen.“ Dass er sich allerdings im fränkischen Wettringen befand, teilte er Bültgerds erst im Nachhinein lachend mit. Brüning war nämlich einer von 40 Teilnehmern einer Bustour nach Franken, die unter anderem auch in die namensgleiche Gemeinde im Kreis Ansbach führte. Der ursprüngliche Name dieses Ortes war „Wateringun“, während das münsterländische Wettringen sich von „Wateringas“ ableitet.


Die Kontakte zum Namensvetter in Franken werden schon seit vielen Jahren durch gegenseitige Besuche gepflegt und die rege Teilnahme an der jetzigen Fünftagestour bestätigte erneut, dass die Verbundenheit noch immer intakt ist. Die diesjährige Fahrt war vom Heimatverein angeboten worden. Vom Vereinsvorsitzenden Werner Janning, der bereits vor knapp 20 Jahren eine Gruppenfahrt ins Fränkische organisiert hatte, war ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt worden, das neben dem Besuch Wettringens eine Reihe attraktiver touristischer Anlaufstellen und Angebote enthielt.

Das kleine Gebsattel, ein Vorort von Rothenburg, erwies sich als idealer Ausgangspunkt für die einzelnen Ausflüge, zumal im dortigen Gasthaus Zum Lamm eine erschwingliche Unterkunft gebucht werden konnte. Mehrfach besuchte die Gruppe von dort aus das touristische Highlight Rothenburg ob der Tauber. Hier konnte man zeitweise nach eigenem Gutdünken bummeln, hatte aber durch eine fundierte Stadtführung auch die Gelegenheit, tiefere Einsichten in die Geschichte der Stadt zu gewinnen und Einzelheiten über ihren hervorragenden mittelalterlichen Zustand zu erfahren.

Ganz andere Einblicke wurden der Gruppe bei einer Weinprobe im Glock-Weingut, dem südlichsten Weingut Frankens, vermittelt. Winzermeister Thürauf schenkte Weine mit sehr unterschiedlichen Charakteristika ein, verwandelte seine gemütliche Weinstube aber zwischenzeitlich immer wieder zu einer Kleinkunstbühne, indem er mit trockenem Humor sein Wissen und seine Meinungen zum Weinbau glossierte.


Unweit von Rothenburg besuchten die Heimatfreunde in Creglingen die Herrgottskirche, deren wertvollster Besitz der Marienaltar aus dem 16. Jahrhundert ist. Man war erstaunt darüber, dass das so hochgeschätzte Hauptwerk Tilman Riemenschneiders in einem derart bescheidenen Gotteshaus wie der Herrgottskirche beherbergt ist.

Am Folgetag ging es über die Frankenhöhe nach Schillingsfürst. Im Schatten des dortigen Barockschlosses schaute man sich im Fürstlichen Falkenhof eine Flugshow mit verschiedenen Greifvögeln an. Das Ambiente der Anlage wirkte recht desolat, bot aber mit seinen Geländestufungen ein passendes Areal für das obligatorische Gruppenfoto. Von der anschließenden Besichtigung des fürstlichen Schlosses wird den Besuchern aus dem Hiärtken wohl eher der sehr rüde auftretende Touristenführer in Erinnerung bleiben als das Gepräge des alten Herrschaftshauses.

Angenehmer verlief am Nachmittag dieses Tages jedoch der Besuch in der 1000-Seelen-Gemeinde Wettringen. Bei dem anfangs durchgeführten Spaziergang zur Tauberquelle, die dort am Ortsrand zu finden ist, stellten die Gäste aus dem Münsterland fest, dass sich das Dorf recht positiv entwickelt hat. Beispielsweise hat sich die Gemeinde mit der Eröffnung eines modernen Dorfladens mit Café angemessen auf die veränderten Lebens- und Einkaufsbedingungen auf dem Lande eingestellt.
In der Pfarrkirche St. Peter u. Paul wurden die westfälischen Besucher zunächst von der zuständigen Heimatpflegerin herzlich begrüßt und über die Ortsgeschichte informiert. Anschließend richtete der amtierende Bürgermeister Matthias Rößler seine Grußworte an die Besuchergruppe und überreichte Werner Janning zwei Heimatbücher als Gastgebergeschenk. Auch Janning hatte Rößler ein Geschenk mitgebracht, nämlich einen Bildband mit aktuellen Ansichten aus dem Hiärtken, die Engelbert Rauen fotografisch festgehalten hat. Aus seiner Zeit als Bürgermeister Wettringens ist Rauen in dem fränkischen Ort vielen Leuten noch bekannt. Weitere Geschenke sollten folgen; denn die Gästegruppe wurde anschließend ins Hotel zur Post geleitet, wo es neben Kaffee und Kuchen für jeden Besucher ein Glas Wettringer Honig und mehrere Infoschriften gab. Hier ergriffen auch die ehemaligen Bürgermeister Augustin und Kandert das Wort.  Vor allem Kandert, der erstmalig im Jahr 2003 im westfälischen Wettringen zu Gast gewesen war, konnte sich an viele Begebenheiten und Ereignisse im Zusammenhang mit den gegenseitigen Besuchen gut erinnern und von diesen erzählen.

Am folgenden Tag stand auch ein Besuch des mittelalterlichen Städtchens Dinkelsbühl im Programm. Auch hier gab es eine informationsreiche Ortsführung und man war einhellig der Meinung, dass die kleine Stadt den Vergleich mit Rothenburg keineswegs scheuen muss. Im Gegensatz zu der Stadt an der Tauber hatte Dinkelsbühl keine Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zu beklagen und so nimmt es nicht Wunder, dass der Ort einen noch ursprünglicheren Nimbus ausstrahlt. Dieser wird konsequent geschützt durch strenge denkmalspflegerische Auflagen und das Bestreben der Kommune, den Zustand der Gebäude und Einrichtungen möglichst unverändert zu belassen. Dachflächenfenster, Satellitenschüsseln oder Reklameschilder sucht man in Dinkelsbühl vergebens. 

Auch am Tag der Rückkehr sollte es für die Gruppe noch einmal mittelalterliches Flair geben. Auf halbem Weg gab es einen mehrstündigen Aufenthalt in Limburg an der Lahn. Obwohl der Ort kein geschlossenes historisches Stadtbild wie die zuvor besuchten Städte bietet, zeigt sich der alte Kern Limburgs von einem eigenen Reiz. Hier stehen die Häuser in engeren Gassen und bei steiler Hanglage nebeneinander. Der farbenfroh gestaltete Limburger Dom war sicherlich das attraktivste Gotteshaus, das die Gruppe in diesen Tagen zu sehen bekamen.

Und sonst? Nun, bei aller Kulturbeflissenheit, die sich unweigerlich bei den Fahrtteilnehmern ergab, vergaßen die Reisenden aus dem Hiärtken keineswegs die Kultur ihrer eigenen Sprache: Nur selten sind heutzutage noch derart viele und intensiv geführte plattdeutsche Plaudereien zu hören, wie sie sich auf der Hin- und Rückfahrt im Reisebus ergaben.